Die Wildkräuter- und Wildpflanzenküche verbindet den Genuss besonderer Aromen mit gesunden Inhaltsstoffen, die wir in dieser Form nur in der Natur finden. Je nach Jahreszeit kommen die unterschiedlichsten Pflanzen und Pflanzenteil auf den Tisch – von der Knospe bis zur Wurzel. Sie versorgen unseren Organismus gleichzeitig mit wichtigen Pflanzeninhaltsstoffen.

Ob Klettenwurzeln aus dem Wok, Grüne Brote oder Süßes mit Mädesüß, Gundelrebe oder Dost  ... die Liste der Köstlichkeiten aus Wildpflanzen kann man endlos fortsetzen, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wir werden uns im Laufe des Jahres gemeinsam durch diese feinen Dinge kosten - ich liefere dafür die Rezepte!

Guten Appetit und viel Spaß beim Kochen! Alle Rezepte nach Jahreszeit

Neueste Rezepte

Eichelmehl-Blinis süß oder pikant Dezember

Schwierigkeitsgrad:Normal

Zutaten:
- 80 g Eichelmehl
- 140 g helles, feines Dinkelmehl
- 310 ml Milch
- 3 Eier getrennt
- 22 g frische Germ
- 20 g Zucker
- 35 g Butter
- 1 Messerspitze Salz
- geriebene Schale einer halben Zitrone
- Öl oder Butter zum herausbacken
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Für die Blinis wird zunächst die frische Germ in eine Schüssel gebröselt und mit etwa ⅛ l der Milch (vorher leicht angewärmt), verrührt und zum “Gehen” beiseite gestellt. Anschließend werden die Eier getrennt und aus den Eiklaren, dem Zucker und dem Salz steifer Schnee geschlagen und ebenfalls beiseite gestellt. Danach erwärmt man die restliche Milch gemeinsam mit der Butter, bis diese geschmolzen ist, vermischt die beiden Mehle mit dem “Dampfl”, der inzwischen eingegangenen Germ, und rührt die Milch-Buttermischung mit dem Handmixer unter die Mehl-Germ-Mischung. Dann werden die Eidotter und die Zitronenschale untergerührt und zuletzt der Schnee vorsichtig mit dem Schneebesen untergehoben. Der fertige Teig muss nun an einem warmen Ort mindestens 20 Minuten “gehen”. Wenn der Teig aufgegangen ist, bäckt man in einer großen Pfanne immer gleichzeitig mehrere Mini-Pfannkuchen mit ca. 8 cm Durchmesser und lässt sie anschließend auf Küchenrolle abtropfen.

Blinis mit Eichelmehl schmecken wirklich, wirklich gut! Man auch etwas mehr Eichelmehl und weniger Dinkelmehl verwenden, alles ist Geschmacksache. Meist fügt man Speisen etwa ein Drittel Eichelmehl bei. Mit etwas mehr Zucker im Teig oder Honig oben drauf sind die Blinis eine herrliche Süßspeise. Mit wenig Zucker und eventuell ein paar Kräutern drinnen sind sie ein pikanter Hauptgang oder eine feine Beilage zu Gemüse-, Fleisch- oder Fischgerichten.

Ich wünsche viel Spaß beim Kochen – das Eichelmehl ist ja sicher schon fertig :)!

Der weite Weg zum Eichelmehl Dezember

Eicheln sind die perfekte Notnahrung für den Winter! Hätten wir nichts mehr zu essen, mit Eicheln, die viel Stärke, Fettes Öl, Zucker, Proteine, verschiedene B-Vitamine und Kieselsäure enthalten, könnten wir in Kombination mit anderen Wildfrüchten und Pflanzen überleben. Die Eicheln aller bei uns wachsenden Eichenarten enthalten allerdings auch viele Gerbstoffe und sind für den Rohgenuss nicht geeignet. Nicht zuletzt deshalb verzichtet man meist darauf, sie kulinarisch zu verwenden. Schade! Eichelmehl schmeckt köstlich und gibt jeder Art von Gebäck eine eigene, etwas herbe Note. Verwendet man Eichelmehl zum Kochen und Backen, so sollte man maximal 40 % der Mehlmenge durch Eichelmehl ersetzen. Der Rest kann Mehl aus Dinkel-, Weizen- oder einer anderen Getreideart sein.

Für diesmal habe ich mir vorgenommen, den langen Weg von der Eichel zum Eichelmehl genau zu dokumentieren – ist man ein bisschen geübt, geht es immer rascher. Und man kann einen Krimi im Fernsehen auch neben Eichelschälen anschauen :) – dann fällt es gar nicht unter “Arbeit”. Los geht’s:

Zunächst müssen wir uns in den Wald aufmachen und Eicheln sammeln. Das macht man idealerweise im Herbst, aber auch im späten Winter kann man noch viele Eicheln finden, wenn dann auch nicht mehr alle Eicheln verwendbar sind. Dies merkt man aber sofort an Wurmlöchern und am Aussehen der Frucht. Im späten Winter sind viele der Gerbstoffe bereits abgebaut, und man die Eicheln leichter verarbeiten. Je nach Witterung im Frühjahr und Sommer sind die Schalen der Eicheln mal dünner, mal fester. Und auch der Geschmack der Früchte ist davon abhängig.
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Die gesammelten Eicheln werden zunächst 15 Minuten lang bei 200 Grad im Backrohr geröstet, sollten aber nicht braun oder schwarz werden. Während dieses Vorgangs springen die Schalen der Früchte auf, was das Schälen erleichtert. Danach befreit man sie von der äußeren und inneren Schale...
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... und wässert sie mindestens 24 Stunden lang – besser: 48 Stunden oder noch länger. Dazu gibt man die Eicheln in einen großen Topf mit viel Wasser, das man alle paar Stunden auswechselt. Das Wasser wird immer wieder trüb oder nimmt eine gelbliche Färbung an. Wenn es klar ist, sind die meisten Gerbstoffe ausgeschwemmt, die Eicheln sind bereit zur weiteren Verarbeitung.
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Die nun mit Wasser vollgesogenen, weichen Eicheln werden anschließend am besten mit einer Gemüse- oder Nussreibe grob gerieben, was sehr rasch erledigt ist. Zur Not kann man die Eicheln auch in kleine Stücke schneiden, was aber die weitere Verarbeitung erschwert.
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Anschließend trocknet man die geriebenen Eicheln, locker auf einem Backblech aufgestreut, für ca. 5 Stunden bei  40 bis 50 Grad im Backrohr. In die Backofentür steckt man einen Kochlöffel, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Das Trocknen im Backrohr oder einem Dörrgerät ist dem Trocknen in einem Raum vorzuziehen – die Eicheln sind durch das Schwemmen sehr feucht und beginnen rasch zu schimmeln. Da ist es besser, sich die bisherige Mühe nicht kaputt machen zu lassen und sie rascher im Backrohr zu trocknen.



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Das getrocknete Eichel-Schrot lässt sich über den ganzen Winter gut aufbewahren, ohne dass es zu schimmeln beginnt. Am besten lagert man es in einer verschlossenen Dose.



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Immer, wenn man frisches Mehl braucht, mahlt man den entsprechenden Teil davon. Diesmal verwendet man eine feine Nussreibe.
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Zuletzt püriert man das nun grobe Mehl noch mit dem Pürierstab – dann ist das Mehl perfekt. Auch eine Kaffeemühle eignet sich für das feine Reiben zu Mehl.



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Ja, und dann bäckt man zum Beispiel so etwas Feines wie Eichelmehl-Blinis – die wahrlich köstlich schmecken!



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Fichtennadel-Sahne-Karamell-Bonbons November

Schwierigkeitsgrad:
verlangt etwas Fingerspitzengefühl

Zutaten:

- 1 grüner Fichten- oder Tannenzweig, ca. 40 cm lang
- 250 ml Schlagobers
- 250 ml Wasser
- 250 g Kristallzucker (auch andere Zuckerarten, aber die Konsistenz ist mit Kristallzucker am besten)
- 1 Bio-Orange

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Wenn man erkältet ist, darf man Süßes essen – wenn es Gesundes verpackt. Bei diesen Bonbons stellt sich die Frage, ob sie vor allem gut sind oder gesund? Am besten testen!

Zunächst zupft man die Fichtennadeln einzeln und mit dem Stielansatz, der viel ätherisches Öl enthält, vom Zweig, bis man in etwas 8 bis 10 Esslöffel Fichtennadeln beisammen hat. Hierbei ist es schön, wenn man Gesellschaft hat … das dauert nämlich ein bisschen. Die Bio-Orange schält man fein zur Gänze ab.
Anschließend kocht man die Fichtennadeln samt Orangenschalen zugedeckt mit den 250 ml Wasser für ca. eine Viertelstunde auf kleiner Flamme, schaltet dann den Herd aus und lässt den Sud weiterhin zugedeckt noch für eine halbe bis eine Stunde ziehen.
Danach seiht man die Flüssigkeit in einen größeren Topf, kocht ihn gemeinsam mit Schlagobers under Zucker auf und kocht die Mischung, die langsam immer dickflüssiger und zäher wird, für etwa 30 bis 45 Minuten ein. Wenn man meint, das entstandene Sahne-Karamell könnte nach dem Abkühlen schon fest sein, tropft man eine Probe auf Backpapier. Man sieht dann schnell, ob die Masse fest wird.
Wichtig ist es, zwischendurch immer wieder zu rühren, damit das Karamell nicht anbrennt und nicht dunkel wird. Es muss hellbraun bleiben und sahnig schmecken. Ist die Masse fertig, gießt man sie rasch in kleine Eiswürfelformen oder streicht sie auf Backpapier und lässt sie erstarren. Das Karamell lässt sich im erkalteten Zustand leicht schneiden oder brechen.

Ich muss gestehen, meiner erster Versuch, diese Bonbons herzustellen, ist kläglich gescheitert! Erst der zweite ist gelungen. Man muss ein bisschen Fingerspitzengefühl für die Konsistenz der Sahne-Karamell-Masse bekommen – der Erfolg lohnt sich allerdings, und in Wahrheit ist es kinderleicht :)!

Fichten- oder Tannennadel-Bonbons schmecken fein und stärken die oberen Atemwege. Auch bei einer Verkühlung ist es kein Fehler, sich eines der köstlichen Bonbons zu Gemüte zu führen.

Räucherstäbchen selbst gemacht November

Zutaten für ca. 20 Räucherstäbchen:

- ca. 15 Esslöffel getrocknetes, Räucherwerk, am besten mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen, in unserer Mischung: Thymian, Beifuß, Ysop, Salbei, Rosenblätter
- ca. 5 Esslöffel fein gemörserte Harze, in unserem Rezept: Weihrauch und Myrrhe (ca. ⅓ des Räucherwerks sollte aus Harzen bestehen).
- 3 Tabletten Räucherkohle
- 200 ml Wasser
- 2 gehäufte Esslöffel Weizenmehl
- 1 Esslöffel Zucker
- 1 gehäufter Teelöffel Gummi arabicum (erhält man in jeder Drogerie)
- 5 Teelöffel lauwarmes Wasser
- Holzstäbchen, Schaschlikspieße etc.


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Zur Abwechslung gibt es nichts zu essen – stattdessen, passend zur Jahreszeit, selbstgemachte Räucherwerk! Räucherstäbchen und -kegel selbst herstellen ist eine ganz einfache Sache und eine schöne Abwechslung für die kalte Jahreszeit. Ein bisschen Zeit sollte man sich aber schon nehmen – und wer sich nicht gerne die Hände schmutzig macht, sollte die Finger davon lassen. Allen anderen, die gerne Räuchern, lege ich es aber sehr ans Herz, solche Räucherwaren einmal selbst zu machen. Besonders Spaß macht es im Übrigen in Gesellschaft.

Als erstes wird das Gummi arabicum im lauwarmen Wasser angesetzt und für einige Stunden quellen gelassen (mindestens zwei Stunden, aber auch länger). Direkt vor der Zubereitung der Stäbchen werden Weizenmehl, Zucker und Wasser unter Rühren für wenige Minuten aufgekocht, dann vom Herd genommen und ebenfalls quellen gelassen, bis die Mischung abgekühlt ist.

In der Zwischenzeit wird das Räucherwerk so fein wie möglich gemörsert bzw. gemahlen. Dafür müssen die Kräuter wirklich vollkommen trocken sein. Es empfiehlt sich, das gemahlene Räucherwerk zwischendurch immer wieder durch ein mittelfeines Metallsieb in eine große Schüssel zu sieben, damit alle holzigen Teile zum weiteren Mörsern oder Aussortieren im Sieb zurückbleiben. Getrocknete Kräuter und Gewürze können auch in einer Gewürz- oder in einer Kaffeemühle fein gemahlen werden. Die Harze sollten immer im Mörser gemörsert werden, da sie andere Küchengeräte verkleben. Auch die Kohletabletten werden im Mörser zerrieben.

Schließlich vermischt man das gemahlene Räucherwerk (Kräuter und Harze) und die geriebene Kohle in einer großen Schüssel und gibt löffelweise die gequollene Mehl-Zucker-Mischung und das Gummi arabicum dazu. Es muss eine sehr feste, dicke Masse entstehen, die nur wenig feucht ist. Deshalb sollte man die Flüssigkeiten nur langsam und portionsweise zugeben. Hat die Masse eine sehr feste, aber gut klebrige Konsistenz, teilt man sie in ca. 3 cm große Teile, die man zu Kugeln rollt. Langsam verarbeitet man die Kugeln zu länglichen Stäbchen, in deren Mitte man jeweils einen Holzspieß setzt. Anschließend knetet man die Masse um den Holzspieß herum – ein Teil der Knetmasse soll über den Holzspieß hinausstehen. Das Formen der Stäbchen braucht zu Anfang auf jeden Fall einige Minuten pro Stäbchen – nicht die Geduld verlieren! Je dünner das Stäbchen wird, desto besser brennt es. Hat man etwas weniger Geduld, kann man auch Räucherkegel formen, die auf jeden Fall rascher fertiggestellt sind und ebenso gut brennen.

Die fertigen Räucherstäbchen trocknet man für etwa 2 Stunden auf einem mit Backpapier ausgelegten im Backrohr bei 50 Grad. Anschließend muss man sie noch einige Tage nachtrocknen lassen, damit auch wirklich ganz ausgehärtet sind, ehe man sie anzündet.

Auf diese Art selbst gemachte Räucherstäbchen brennen nicht immer ganz so perfekt wie gekaufte –  es kann sein, dass man sie ab und zu zwischendurch wieder anzünden muss. Der Duft des selbst zusammengestellten Räucherwerks ist allerdings herrlich – und man weiß ganz genau, was in den Stäbchen drinnen ist. Dank der pulverisierten Räucherkohle enthalten die Stäbchen bzw. Kegel auch Salpeter, der das Abbrennen erleichtert.

Viel Spaß beim Herstellen selbst gemachten Räucherwerks – vielleicht auch als Weihnachtsgeschenk?

Schlehensaft – Lieblingsgetränk dieses Herbstes Oktober

Schwierigkeitsgrad: Simpel

Zutaten:

2 kg Schlehen
2 ½l Wasser
200 g Rohrzucker
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Schlehen sind die köstlichsten Wildfrüchte, die ich kenne! Ihr Geschmack ist einzigartig: intensiv, fruchtig, säuerlich, gleichzeitig süß, hinterlassen sie ein leicht pelziges Gefühl auf der Zunge … den Rest kann man nicht beschreiben!

Jeder Herbst braucht seinen Lieblingssaft – und somit auch seinen Lieblingsaperitif! Und heuer ist es eben der Schlehensaft, der es mir sehr angetan hat. Ich mache jedes Jahr zumindest einige Fläschchen und bunkere sie für besondere Anlässe! Schlehensaft wird denkbar einfach hergestellt, man muss sich nur einige Tage gedulden, bis man das köstliche Ergebnis genießen kann:

Die gewaschenen Schlehen werden in einem weiten Topf mit dem kochenden Wasser übergossen und zugedeckt für 24 Stunden stehen gelassen. Danach seiht man die Flüssigkeit in einen anderen Topf ab und kocht das gewonnene Schlehenwasser kurz auf, um es dann wieder über die Schlehen zu gießen. Wieder lässt man die Schlehen samt Saft zugedeckt für 24 Stunden stehen und wiederholt diesen Vorgang noch zweimal. Nach vier Tagen seiht man die Flüsigkeit ein letztes Mal ab und kocht sie mit dem Zucker für einige Minuten auf, bis sich der beim Kochen entstehende Schaum verflüchtigt hat. Zuletzt seiht man den Saft in sterile Flaschen und verschließt sie.

Schlehensaft ist ein herrliches Getränk, das auch bei Erkältungen oder nach Krankheiten hilft, unser Immunsystem wieder zu Kräften kommen zu lassen. Abgesehen davon ist er, gemischt mit Sekt, ein großartiger Herbstaperitif, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Oft liest man, man könne Schlehen im November ernten – das war vielleicht einmal so. Ich habe heuer schon im August erste reife, süße Schlehen gepflückt. Aufgrund des trockenen Sommers ist die Schlehenernte mancherorts recht dürftig gewesen. Gottseidank habe ich einige Schlehensträucher gefunden, die blau von herrlichen großen Früchten waren. Man sagt auch, dass Schlehen einen ordentlichen Frost abbekommen sollten, damit sie ihre Bitterkeit und das für sie charakteristische pelzige Gefühl, dass sie am Gaumen hinterlassen, verlieren. Auch das ist heuer nicht nötig, aufgrund der intensiven Sommerhitze haben sie schon am Strauch genug Süße. Wer noch Schlehen sammeln möchte, sollte sich bald aufmachen. In Hecken, lichten Laubwäldern, trockenen Flusssäumen, an Feldrainen und auf Böschungen findet man sie in unseren Breiten häufig bis über 1000 m Höhe.

Nelkenwurz-Reis mit karamelisierten Berberitzen zu Klettenwurzel-Kürbisgemüse Oktober

Schwierigkeitsgrad: Normal

Zutaten Nelkenwurz-Reis mit Berberitzen:

- 250 g Basmatireis
- 500 ml Wasser
- 5 schöne, große Nelkenwurz-Wurzeln, gesäubert
- 2 Esslöffel Pflanzenöl zum Anbraten (z. B. Raps- oder Sonnenblumenöl)
- Salz
- 200 g Weintrauben (oder Birnen)
- 200 g frische oder getrocknete Berberitzen
- 1 Teelöffel Butter
- 1 Esslöffel Honig
- 1 Messerspitze Zimt

Zutaten Klettenwurzel-Kürbisgemüse:

400 g Klettenwurzeln
- 400 g Kürbis (Hokkaido, Muskatkürbis etc.)
- 1 Teelöffel Butter
- 2 Esslöffel Olivenöl
- 1 Schuss Balsamico-Essig
- Salz, Pfeffer
- Saft von ca. 2 Zitronen
- frische Wildkräuter von der Wiese (in diesem Rezept: frisches Hirtentäschelkraut, aber auch z. B. Wilder Pastinak, Wiesenkerbel, Schafgarbe etc., …)


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Ich habe ein neues Lieblingsgericht für diesen Herbst, das ich heuer schon einige Male erprobt habe – auch WorkshopteilnehmerInnen, Familienmitglieder und Freunde mussten bzw. durften es kochen und kosten – und ich hoffe, es hat ihnen auch so geschmeckt wie mir. Ausprobieren sollte man es auf jeden Fall einmal. Also: Kletten- und Nelkenwurzeln ausgraben, Berberitzen plücken, Kürbis ernten, und das Essen fast schon fertig:

Für den Reis wird das Öl in einem Topf erhitzt und der Reis im heißen Öl kurz unter Rühren angebraten, bis alle Reiskörner mit Öl ummantelt sind. Anschließend wird der Reis mit Wasser aufgegossen, mit Salz gewürzt und die sauberen Nelkenwurz-Wurzeln beigefügt. Nun lässt man den Reis zugedeckt für ca. 15 Minuten leicht köcheln. In der Zwischenzeit werden die Weintrauben in kleine Stücke geschnitten und, wenn der Reis fertig ist, in diesen eingerührt. Anschließend lässt man den Reis noch einige Minuten zugedeckt ziehen, sodass er noch fest, aber weich ist. In der Zwischenzeit werden Butter und etwas Pflanzenöl gemischt erhitzt, die Berberitzen kurz darin angebraten und mit Honig und Zimt vermischt. Die Mischung sollte nun für einige Minuten leicht vor sich hin köcheln, dann sind sie fertig. Die Berberitzen werden extra zum Reis serviert und nach Belieben über den Reis gestreut.

Kurz zur Echten Nelkenwurz: Die Wurzel des zarten, ausdauernden Pflänzchens, das wirklich überall anzutreffen ist, ist ein wunderbarer heimischer Gewürznelken-Ersatz, den unsere Vorfahren zu schätzen wussten. Es enthält einen hohen Gehalt an Eugenol – jenem Inhaltsstoff, aus dem Nelkenöl hauptsächlich besteht. Ich verwende kaum noch Gewürznelken, da ich den feineren, leicht erdigen Geschmack der Nelkenwurz vorziehe – mal ausprobieren!

Für das Gemüse werden zunächst die Klettenwurzeln unter fließendem Wasser mit der Bürste gesäubert, anschließend geschält und in etwa 4 cm lange, feine Stifte geschnitten, die man sofort in kaltes Zitronenwasser einlegt (ca. 2 Zitronen auf 3 l Wasser). In der Zwischenzeit schneidet man den Kürbis ebenfalls in Streifen. Verwendet man einen Hokkaido-Kürbis, so muss man ihn nicht schälen. In einer großen Pfanne oder im Wok erhitzt man Butter und Öl und brät die Klettenwurzelstifte darin für einige Minuten an. Nach etwa einer Minute kann man sie mit etwas Gemüsebrühe ablöschen. Nach ca. fünf Minuten fügt man die Kürbisstifte bei und brät sie gemeinsam mit den Klettenwurzeln für weitere fünf Minuten mit an. Zuletzt würzt man das Gericht mit frischen Kräutern (in unserem Fall frisches Hirtentäschelkraut) sowie Salz und Pfeffer und löscht es zuletzt mit einem Schuss Balsamico-Essig ab.


Pfirsich-Mahonienbeeren-Marmelade September

Schwierigkeitsgrad: Simpel

Zutaten:

- 1 kg reife (Weingarten)pfirsiche
- 150 g Mahonienbeeren
- 550 g Gelierzucker 2:1
- 1/2 Teelöffel gemahlener Kardamom
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Die Gewöhnliche Mahonie kennen wir alle, meist ohne es zu wissen, aus unseren Gärten. Sie wurde in den letzten Jahrzehnten gerne und oft als Zierstrauch gepflanzt. Die Mahonien in meinem Garten hätte ich fast ausgegraben – hätte ich nicht gelesen, dass man ihre Beeren essen kann. Alle Pflanzenteile der mit der Berberitze verwandten Mahonie enthalten Alkaloide, in den vitamin-C-reichen Beeren ist der Alkaloid-Anteil allerdings gering, sodass man sie in Maßen verzehren kann. Roh sollte man nicht zu viele der Beeren essen, in Marmeladen, Fruchtsaucen und Sirupen verarbeitet sind sie allerdings eine gesunde, erfrischende Abwechslung. Die blauen Beeren, die intensiv blau-violett färben, sind saftig und recht säuerlich. Ideal passen kulinarische Kombinationen mit süßen Früchten – die kleinen Kerne sollte man nach dem Kochen entfernen.
Ich habe meine Mahonienbeeren mit süßen, reifen Weinbergpfirsichen und meinem Lieblingsgewürz Kardamom zu Marmelade verarbeitet. Die dunkelrote Köstlichkeit passt auch gut zu Fleisch und Wild. So wird's gemacht:

Die Pfirsiche in kleine Stücke schneiden und mit den Mahonienbeeren und dem Gelierzucker aufkochen – für ca. 10 Minuten kochen lassen. Anschließend die Marmelade mit dem Pürierstab pürieren und durch ein relativ feines Sieb streichen, damit die festen, kleinen Kerne der Mahonienbeeren ausgesiebt werden. Da der Brei fein und relativ flüssig ist, geht das ganz rasch. Zuletzt wird die nun feine Marmelade mit Kardamom gewürzt und noch einmal für zwei Minuten aufgekocht. In sterile, mit Alkohol ausgewaschene Gläser abfüllen und verschließen. Die Marmelade schmeckt süß, im Abgang dank der Mahonienbeeren recht säuerlich – probierenswert!


Scones mit Berberitzen-Wildbirnen-Marmelade August

Schwierigkeitsgrad: Normal

Zutaten Berberitzen-Wildbirnen-Marmelade:

- 500 g Berberitzenbeeren
- 500 g Wildbirnen (oder Birnen, auch Äpfel)
- 500 g Rohrzucker
- ½ Teelöffel Kardamom
- 1 Prise Zimt

Zutaten Scones:

- 300 g helles Dinkelmehl
- 1 Esslöffel Weinsteinbackpulver
- 30 g Rohrzucker
- 1/2 Teelöffel Salz
- 1 Messerspitze Vanillezucker
- 70 g kalte Butter
- 150 ml Milch

Zu den Scones mit Marmelade gibt es etwas halbfest geschlagenenes Obers, mit einem Löffel Creme Frage vermischt!
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Da wir heuer offenbar ein tolles Wildfrüchte-Jahr haben, gibt es sogar von den sonst oft nur spärlich vorhandenen kleinen Berberitzenbeeren jede Menge. Die überaus vitaminreichen, sauren, kleinen Früchte, die im Nahen Osten und dem Iran nahezu täglich auf dem Speiseplan stehen, sollten auch bei uns nicht übersehen werden. Das Pflücken ist zwar Dank der Dornen und der Größe (bzw. Kleinheit) der Beeren Schwerstarbeit, aber sie zahlt sich aus! Ich habe aus meinen ersten heuer gepflückten Berberitzen und ein paar gefundenen Wildbirnen Marmelade gemacht und muss sagen: Die Mühe hat sich gelohnt! Heute gibt es Scones dazu, ein englisches Teegebäck, das ich immer wieder gerne esse und das – im Gegensatz zur Berberitzenmarmelade – umso weniger Arbeit macht.

Für die Marmelade werden die gewaschenen Wildbirnen mit Schale in kleine Stücke geschnitten und gemeinsam mit dem Zucker und den Berberitzen in einem großen Topf vermischt. Diese Mischung lässt man für zwei Stunden ziehen. Anschließend wird sie gekocht, bis das Obst weich ist – das dauert ca. 10 Minuten. Kurz vor Ende der Kochzeit werden die Gewürze beigefügt. Das gekochte Fruchtmus wird nun durch die Flotte Lotte oder ein feines Sieb passiert, da die Berberitzenbeeren kleine, aber hartnäckige Kerne haben, die man mit dem Pürierstab nicht gut pürieren kann. Das kernlose Fruchtmus wird noch einmal kurz aufgekocht und und in sterile Gläser abgefüllt.

Scones, ein traditionelles Teegebäck aus England, werden normalerweise mit Marmelade (häufig Erdbeer) und “Clotted Cream” gegessen. Da wir hierzulande normalerweise keine Clotted Cream zur Verfügung haben, vermische ich gerne Creme Fraiche mit geschlagenem Obers zu einer etwas üppigen, aber köstlichen Mischung, die unsere Scones mit Marmelade herrlich abrundet :).

Für die Scones werden zunächst Mehl und Backpulver versiebt, anschließend Zucker, Vanillezucker, Salz sowie die in Flocken geschnittene Butter mit dem Mehl möglichst rasch fein verkrümelt. Zuletzt gießt man die Milch dazu und knetet schnell einen runden Teig, den man zugedeckt für ca. 30 Minuten im Kühlschrank rasten lässt. Anschließend walkt man den Teig ca. 2 cm dick aus und sticht etwa 4 cm große Kreise aus, die man im auf 200 Grad (Ober-/Unterhitze) vorgeheizten Backrohr auf mittlerer Schiene für etwa 15 Minuten goldbraun bäckt.

Scones schmecken am besten ganz frisch, vielleicht noch etwas lauwarm. Man schneidet sie in der Mitte durch und füllt sie nach Belieben mit Marmelade und der Obers-Mischung. Guten Appetit 🌿!